Obstgarten im März

„Fürchte nicht den Schnee im März, darunter schlägt ein warmes Herz“! Wie auch immer das Wetter im März ist, alles deutet darauf hin, dass die Natur wieder erwacht und die Vegetation schon bald wieder losgeht. Je nach Verlauf des Winters sind die früh austreibenden Obstarten wie in den letzten Jahren wieder weit voran. Auf jeden Fall beginnt jetzt wieder die schöne Zeit, in der man den Obstgehölzen beim wachsen, blühen und fruchten zuschauen kann.

Viele Menschen freuen sich auf die Arbeit im Freien bei immer länger werdenden Tagen. Die letzten Pflanzungen sollten jetzt schleunigst in den Boden, bei späteren Terminen sollte man auf Ballen- oder Containerware zurückgreifen.

Und bevor die Vegetation jetzt richtig durchstartet sollte man sich vorweg bereits ein paar Gedanken machen, wie man die Nützlinge in die Bekämpfungsstrategie einbauen kann. Schon mit wenigen Maßnahmen und Handgriffen kann man die kleinen Helfer aktivieren.

Aufhängen von Nistkästen

Nützliche Vogelarten vertilgen bekannterweise beachtliche Mengen schädlicher Raupen wie Frostspanner, Eulen und Wickler. Deshalb sollten Vogel-Nistkästen gereinigt werden und bei Bedarf zusätzliche aufgehängt werden. 1-2 Nistkästen pro Garten mit 32 mm Einflugloch für Kohlmeise, Feldsperling, Gartenrotschwanz, 1 Nistkasten pro Garten mit 26 mm Einflugloch für Blaumeisen, 1 Halbhöhle pro Garten für Hausrotschwanz, Bachstelze, Grauschnäpper.
Folgende Grundregeln sollten beachtet werden:

  • Nistkästen senkrecht hängen
  • Abstand zwischen den Nistkästen ca. 5-10 m
  • Flugloch nicht zur Wetterseite ausrichten
  • Freien Ein- und Ausflug gewähren
  • Nistkästen auf Augenhöhe anbringen, um Kontrollen und Reinigung zu erleichtern
  • Möglichst ungestörte Plätze auswählen
  • Reinigen: Nistkästen mit Wasserstrahl reinigen, alte Nester entfernen

Der Fachhandel hält verschiedene Nisthilfen für heimische Singvögel im Angebot. Achten Sie auf die verschieden großen Fluglöcher.

Aufstellen von Sitzkrücken

Besonders tagaktive Beutegreifer wie Turmfalke, Bussard, Milan, Habicht und Sperber aber auch nachtaktive wie Eulen und Kauz nehmen die Sitzkrücken als Ansitzmöglichkeiten gerne an, besonders wenn es an natürlichen Erhebungen mangelt. Von hier aus haben sie einen guten Überblick auf Feld- und Wühlmäuse, deren Schäden und Populationen in den letzten Jahren sehr stark zugenommen haben. Weiterhin haben sie eine Funktion als Kröpfplatz zur Nahrungsaufnahme sowie als Rast- und Ruheplatz.
Stellen Sie bei Bedarf 1 Sitzkrücke (Holzstange mit einer Höhe von 4-5 m, oben quer eine Stange von ca. 60 cm) im Garten auf.


Der Garten lebt - Nützlinge fördern durch vielfältige Bepflanzung

Viele Freizeitgärtner möchten den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren und fragen vermehrt nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Alternativen. Dazu gehört die biologische Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen, denn sie bringt wieder mehr Natur in den Garten!

Im Garten ist ganz schön was los, denn neben den pflanzenschädigenden Insekten und anderen Tieren tummeln sich hier auch „Räuber und Parasiten“, und die gehören zu den Nützlingen. Räuber haben ihre Feinde zum Fressen gerne und vertilgen diese in gewaltigen Mengen. Parasiten haben eine andere Überlebensstrategie: sie legen nämlich ihre Eier in die Larven der Schädlinge und benutzen diese für ihren Reifungsfraß. Und diese Ernährungs- bzw. Lebensweise kann man sich im Garten zu Nutze machen. Verschiedene natürlich vorkommende Krankheitserreger (Pilze, Bakterien, Viren), die einzig nur gegen bestimmte Insekten wirken, vermehren sich ebenfalls im Schädling und töten ihn damit ab.
Der bekannteste Nützling ist sicherlich der Marienkäfer, der am liebsten Blattläuse verspeist. Die gute Nachricht: die meisten Nützlinge kommen natürlich im Garten vor und stellen sich von selbst ein, wenn sie optimale Lebensbedingungen vorfinden:


Übersicht Nützlinge im Garten
Nützling
Räuber
Parasit
Mikro-organismenSchädlinge
Marienkäfer
x
Blattläuse, Spinnmilben
Schwebfliegenlarve
x
Blattläuse
Raubmilbe
x
Obstbaumspinnmilbe
Kohlmeise
x
Schmetterlingslarven u.a.
Igel
x
Schnecken u.a.
Florfliege
x
Blattläuse, Thripse, Spinnmilben, Raupen, Wollläuse, Schmierläuse
Schlupfwespe
x
Blattläuse, Schildläuse oder Weiße Fliege, Apfelwickler.
Blutlauszehrwespe
x
Blutlaus
Granulosevirus
x
Apfelwickler
Bacillus thuringiensis
x
Freifressende Schmetterlingsraupen wie Frostspanner, Eulenraupen, Traubenwickler
Nützlinge haben immer Hunger!

Geradezu sprichwörtlich ist der Appetit der Nützlinge. So verputzt eine einzige Florfliegenlarve in 3 Wochen bis zu 300 Blattläuse oder andere Schädlinge! Ein einziger Marienkäfer braucht im Laufe seiner Larvenzeit sogar bis zu 3000 Blattläuse oder Spinnmilben. Denn nur wenn die Larven genügend Futter haben, können sie sich zum erwachsenen Tier weiterentwickeln. Und was passiert, wenn alle Schädlinge weggefressen sind! Keine Angst, im Zweifelsfall fressen sich die Nützlinge selber auf oder wandern ab.

Erst muss der Tisch gedeckt sein

Viele Gartenbesitzer fragen sich, wie man mehr Nützlinge in den Garten bekommt. Das geht relativ einfach, in dem man für eine vielfältige und abwechslungsreiche Bepflanzung sorgt. Dann finden sich die kleinen Helfer von selbst ein, wenn sie genügend Nahrung und Lebensraum vorfinden – und dazu noch völlig kostenlos! Denn dafür hat die Natur gesorgt: zuerst muss der Tisch gedeckt sein mit Schädlingen, das lockt die Nützlinge an, und das biologische Gleichgewicht stellt sich ein. Probieren Sie es aus!

So laden Sie Nützlinge ein, damit sie sich in Ihrem Garten wohlfühlen:

  • Verzichten Sie auf den Einsatz von Insektiziden
  • Bei Bedarf Pflanzenstärkungsmittel einsetzen
  • Artenreiche Bepflanzung mit Blütenpflanzen vom Frühjahr bis in den Herbst
  • Nisthilfen und Überwinterungsquartiere bauen wie Insektenhotel, Florfliegenkiste, Hummelkasten
  • Abwechslungsreiche (Blüten-)Hecken mit Heckensaum pflanzen
  • Ein „wildes Eck“, sichtgeschützt am Ende des Gartens mit Steinen, Schnittholz und Laub bietet Unterschlupf.
  • Die ersten Blattläuse im Frühjahr nicht bekämpfen, die Nützlinge brauchen sie für ihre schnelle Entwicklung.

Ruhe bewahren bei den ersten Blattläusen im Frühjahr: erst wenn die da sind, beginnt der Entwicklungszyklus der Nützlinge!

Buchtipp
Natur sucht Garten
Wer seinen Garten nachhaltig und umweltgerecht bewirtschaften möchte, findet hierzu in diesem Buch 35 praxisnahe und erprobte Ideen.
„Natur sucht Garten“ von Heike Boomgaarden, Bärbel Oftring und Werner Ollig, erschienen im Verlag Eugen Ulmer, ISBN 978-3-8001-7499-7




Düngung

Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass die meisten Gartenböden in Deutschland recht hoch mit Nährstoffen versorgt sind. Besonders bei Kalium und vor allem Phosphor sind die Bodenvorräte teilweise extrem hoch, deshalb ist der Einsatz von Mehrnährstoffdüngern hier nicht sinnvoll Zu bedenken ist auch der hohe Humusgehalt der Gartenböden, nicht selten liegt er über 5 % (zum Vergleich: ein normaler Ackerboden hat 1-2% Humus!). Solche humosen Böden haben ein hohes Speicher- und Freisetzungspotential an Nährstoffen. Wer einen genauen Überblick haben will, sollte eine Bodenprobe inklusive Humusanalyse machen lassen.
Günstig ist der Einsatz von garteneigenem Kompost, ausgebracht in einer Größenordnung von 3 - 5 l/qm auf der Baumscheibe. Damit wird der Nährstoffbedarf der meisten Kulturen abgedeckt und zusätzlich wird das Bodenleben angeregt.


Schnitt Strauchbeeren

Die Strauchbeeren weisen einen basitonischen Wuchscharakter auf, d. h. die natürliche Verjüngung erfolgt in Neuaustrieben bodennah an der Basis der Stöcke. Für den Schnitt von Johannisbeere und Stachelbeere sind diese Neuaustriebe sehr wichtig, denn mit deren Hilfe lassen sich die Sträucher sehr gut verjüngen. Ältere, abgetragene Triebe verlieren ihre Vitalität und bringen schlechtere Qualitäten (kleinere Beeren, verrieseln etc.). Das Triebalter kann man sehr gut an der Rindenfarbe erkennen: junge Triebe haben eine helle Rinde, älteres Holz ist viel dunkler. Die neuen Triebe aus der Basis werden als Ersatz für die alten Triebe herangezogen. Beim Schnitt ist darauf zu achten, dass nicht alle Neutriebe im Strauch verbleiben können. Wichtig: immer die ältesten Triebe zuerst entfernen.
Darauf sollten Sie achten:
  • Insgesamt 7 – 10 Hauptäste pro Strauch reichen aus, wenn mehr stehen bleiben, wird es bei der Ernte zu dicht
  • Pro Jahr können 2-3 ältere Äste entfernt werden. Wichtig: direkt über dem Boden abschneiden
  • 3 - 4 junge, günstig stehende Bodentriebe stehen lassen und ca. 1/3 einkürzen
  • die übrigen, nicht benötigten Jungtriebe bodennah abschneiden
  • Seitentriebe an 2-jährigem und älterem Holz auf 3 – 4 Knospen zurückschneiden

Brombeeren

Auch die Brombeeren weisen einen basitonischen Wuchscharakter auf, in Ergänzung zu den vorgenannten besitzen sie zusätzlich noch Ranken. Deshalb benötigen sie ein Erziehungsgerüst, an dem die Ranken hochgebunden werden. Beim Schnitt belässt man pro Strauch 5 - 6 kräftige Ranken, wobei die ältesten Triebe generell zuerst entfernt werden. Die besten Qualitäten erreicht man, wenn die Ranken nicht älter als 2 Jahre alt werden. Überzählige Neutriebe und nicht mehr benötigte Alttriebe werden direkt über dem Boden abgeschnitten. Achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung und guten Befestigung der Triebe am Erziehungsgerüst. Aus den Blattachseln der Ranken bilden sich Seitentriebe, sog. „Geiztriebe“. Diese werden sind unbedingt auf 2 – 3 Augen zurück zu schneiden, andernfalls wird er Strauch zu dicht und die Qualität lässt spürbar nach.

Bei breit wachsenden Sorten mit längeren Ruten pflanzt man im Abstand von 2,5 – 3 m, neuere, kompakt wachsende Sorten können im Abstand von 1,5 gesetzte werden.


Weitere Arbeiten im März

  • Strauchbeeren sind Flachwurzler und für eine organische Abdeckung dankbar. Geeignet sind Rinde, Stroh oder Kompost.
  • Beim Kernobst sollten die Schnittmaßnahmen bis Monatsende zu Ende gebracht sein.
  • Bei günstiger, frostfreier Witterung sollten Anfang März die letzten Gehölze gesetzt werden. Je später der Pflanztermin, desto kräftiger der Pflanzschnitt.
  • Die Veredlungsstelle muss mindestens 10-15 cm über dem Boden liegen.
  • beim Pflanzen alle Etiketten entfernen, damit sie nicht einwachsen.
  • Alle Bäume direkt beim Pflanzen an einen Pfahl binden. Den Baum nicht zu fest anbinden (strangulieren), sondern locker mit einer liegenden Acht.
  • Achten Sie auf einen ausreichenden Abstand zwischen Pfahl und Baum: dieser sollte mindestens eine Fußbreite betragen!
  • Unterstützungsgerüste, Pfähle, Rankgitter kontrollieren und ggfs. Ausbessern.
  • Kontrollieren Sie Baumstämme, die über Sommer im Unkraut gestanden haben auf Schädlinge (z. B. Holzbohrer) und Krankheiten (z. B. Krebs, Kragenfäule). Befallende Stellen sauber ausschneiden.
  • Ein späterer Schnitt ist bei Pfirsichen und Aprikosen nach der Blüte sinnvoll (wegen Frostgefahr)
  • Jetzt garteneigenen Kompost ausbringen (3 - 5 l/qm) und oberflächig einarbeiten





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