Obstgarten im Oktober

Sobald die Ernte der letzten Obstsorten vorbei ist, kehrt langsam Ruhe ein in den Obstgarten. Am ersten Wochenende im Oktober wird traditionell das kirchliche Fest Erntedank gefeiert. Allen Religionen ist eigen, dass sie "die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit", wie es in jeder Eucharistiefeier heißt, als Gottesgeschenk betrachten. Dabei schmücken Erntegaben den Altar oder werden im Gottesdienst zum Altar gebracht.
Damit aber auch im nächsten Jahr wieder alles gut wächst und gedeiht, sollten jetzt noch einige wichtige Arbeiten erledigt werden. Gleichzeitig sind schöne trockene Oktobertage bestens geeignet für die Pflanzung neuer Obstgehölze. Denn die alte Gärtnerweisheit trifft zu, die da sagt: „je früher gepflanzt wird, desto besser“!

Direkt bei der Ernte sollte alles Fallobst gründlich beseitigt werden. Dadurch wird einerseits das Infektionspotential für pilzliche Krankheiten verringert, gleichzeitig entzieht man den Mäusen die Futterbasis. Gerade nach trockenen Jahren ist eine starke Vermehrung bei Feld- und Wühlmäusen zu erwarten. Hier kann man im größeren, weitläufigen Garten auch einiges zur Förderung von Nützlingen tun, in dem man Sitzkrücken für tagaktive Beutegreifer wie Turmfalke, Bussard, Milan, Habicht oder Sperber aufstellt sowie ein Mauswieselversteck in einer nicht benutzten Ecke errichtet (Steinhaufen, ca. 70 cm hoch).

Nicht selten sind Wühlmäuse ein lästiges Problem im Obstgarten. Auch hier sollte zur Vorbeugung alles Fallobst entfernt und die Baumscheibe nach der Ernte am Besten gehackt werden, damit sie frei ist von konkurrierenden Wildkräutern. Darüber hinaus bietet der Handel verschiedene Fallenmodelle an, und mit ein wenig Gespür und Geduld kann man recht gute Ergebnisse erzielen. Auch hier gilt der Leitsatz „Wehret den Anfängen“, d. h. frühzeitig bekämpfen und Vorsorgemaßnahmen treffen.

Vorausschauend gegen den Frostspanner: Der gute alte Leimring, ein Beispiel für intelligenten, vorausschauenden und umweltfreundlichen Pflanzenschutz – und zwar lange, bevor das Problem auftritt! Ab Anfang Oktober schützt man Obstbäume vorsorglich mit Leimringen. Sie werden rechtzeitig vor Flugbeginn des Schädlings fest am Stamm und unbedingt auch am Baumpfahl befestigt. Die flugunfähigen Weibchen bleiben auf ihrer Wanderung in die Krone auf dem Raupenleim kleben und werden so an der Eiablage gehindert.

Die Leimringe sollten regelmäßig auf festen Sitz und ausreichende Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden. Verschmutzte oder eingetrocknete Leimringe erneuert man. Aber aufgepasst: Im Februar/März schlüpfen etliche unterhalb des Leimringes überwinterte Tiere. Um das Hochwandern dieser Raupen zu verhindern bringt man oberhalb des alten einen neuen Leimring an. Dann bekommt man auch die „Nachzügler“, und in der Krone herrscht Ruhe.

Arbeiten im Oktober:

Kiwiernte ab Mitte Oktober, spätestens bei den ersten Frösten. Die großfrüchtigen, behaarten Sorten (Actinidia deliciosa) vertragen auch leichte Fröste bis – 4 °C ohne Probleme. Bei der Ernte sind die Früchte noch hart und ungenießbar. Die Genußreife erreichen sie erst nach entsprechender Lagerung, sie wird erreicht bei einer Temperatur von 18 – 20° C nach 1 – 2 Wochen und bei 5° C nach 1-2 Monaten.

Die kleinen, unbehaarten Bayernkiwi oder Weiki (Actinidia arguta) sind gewöhnlich schon zur Monatsmitte erntereif, dieses Jahr auch schon früher, und können mit der Schale verzehrt werden.

Wo Wühlmäuse zu erwarten sind, sollte man schon bei der Pflanzung auf Nummer sicher gehen und direkt in einen Drahtkorb pflanzen. Diese kann man sich entweder aus Kaninchendraht selbst herstellen oder im vorgefertigt im Handel kaufen.

Bodenvorbereitung und Pflanzung

Bei trockenem Wetter finden sich im Oktober meist die besten Bedingungen für die Pflanzung. Gehölze können, wenn das Holz ausgereift ist, gerodet und verpflanzt werden, zu erkennen am natürlichen Blattfall. Dies geschieht im Regelfall im Verlauf des Novembers. Die Baumschulwirtschaft hat sich mittlerweile darauf eingestellt, schon im Oktober das ganze Sortenspektrum anzubieten. Möglich wird dies durch eine künstliche Entblätterung direkt nach dem Roden. Obwohl die Pflanzzeit von Oktober bis April geht, ist die frühe Herbstpflanzung unbedingt zu bevorzugen. Denn bei Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes findet auch im Winter ein Wurzelwachstum statt. Ebenso gewährleistet eine frühe Pflanzung einen besseren Bodenschluß der Wurzeln. Solange der Boden nicht gefroren ist und keine Staunässe herrscht, kann im Verlauf des gesamten Winters gepflanzt werden.

Hilfreich ist es, wenn die Baumscheibe in der Form einer Mulde mit Gießrand ausgeformt wird. Damit werden Niederschläge aufgefangen, und die Bewässerung ist einfacher. Günstig ist auch das Abdecken der Pflanzscheibe mit einer 5 cm starken Kompost- oder Stallmistauflage, sie sorgen für einen harmonischen, aber stetigen Nährstofffluss. Wo Wühlmäuse zu erwarten sind, sollte man schon bei der Pflanzung auf Nummer sicher gehen und direkt in einen Drahtkorb pflanzen.

Wichtig: nur robuste und widerstandsfähige Sorten gehören in den Garten!

Vor dem Pflanzen sollte man sich einige Gedanken machen über die speziellen Anforderungen der Obstarten und -sorten. Hier wäre zuerst zu klären, in welcher Art das Obst verwendet werden soll. Wichtig sind auch bekannte Pflanzenschutzprobleme wie z. B. die im Garten nicht zu bekämpfende Kirschfruchtfliege oder hartnäckige Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau. In vielen Fällen kann man diese Probleme durch eine geschickte Sortenwahl reduzieren, z. B. durch resistente oder robuste Sorten oder angepasste Reifegruppen.



werner.ollig@dlr.rlp.de      drucken nach oben  zurück