Sommerschnitt von Ziergehölzen

Größere Schnittmaßnahmen gehören in der Wahrnehmung der meisten Gartenliebhaber eher in den Winter als in den Sommer. Im Sommer denken wir höchstens ans Ausputzen verblühter Rosen oder Stauden. Und doch gibt es mehr Pflanzen als gedacht, für die ein sommerlicher Schnitt überaus wichtig ist.

Der Schnitt im Winter regt das Wachstum an, da die eingelagerten Reserven aus den Wurzeln in weniger verbleibende Triebe „gepumpt“ werden können. Diese wachsen stärker, als wenn sie sich die Vorräte mit anderen Ästen teilen müssen. So kann ein Schnitt im Sommer das Wachstum ein wenig beruhigen und zu einem harmonischen Aufbau, mehr Blüten im Folgejahr und zu besser ausgereiften Früchten beitragen. Nicht zuletzt halten wir damit viele stark wachsende Kletterer und Sträucher im Zaum.

Wir haben für Sie eine Übersicht der Pflanzen zusammengestellt, die im Sommer geschnitten werden sollten:

Frühblühende Sträucher:

Diese bilden ihre Blütentriebe am vorjährigen Holz- also an den Zweigen aus diesem Jahr entstehen die Blüten des nächsten Frühlings. Sie sollten direkt nach der Blüte geschnitten werden, ein Schnitt ist aber noch bis Juli in Ordnung.

Zu ihnen gehören: Zierquitte, Forsythia, Deutzia (Sternchenstrauch), Philadelphus (Gartenjasmin), Flieder

Hier können abgeblühte Triebe (jetzt leichter erkennbar als im Winter) bis an die Basis heruntergeschnitten werden. Von unten bilden sich neue Blütentriebe, die diesen Platz benötigen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, die alten Triebe einzukürzen, denn die treiben dann in Büscheln aus und machen das Innere des Strauchs zu einem undurchdringlichen Dickicht. Beim Flieder reicht ein Ausputzen der verblühten Blütenstände, größere Äste können bei Bedarf eingekürzt werden. Je nach Aststärke können wir eine Rosenschere oder auch eine Astschere oder eine kleine Säge verwenden.

Das gleiche gilt natürlich für die immergrünen Frühlingsblüher wie Rhododendron, Kamelien und Ceanothus, sie können jetzt noch Knospen bilden und den Austrieb ausreifen lassen. Bei ihnen nehmen wir nur in Ausnahmefällen einen radikalen Rückschnitt vor, z.B. wenn sehr alte, verholzte Pflanzen verjüngt werden sollen. Normalerweise reicht es, Verblühtes auszuputzen und aus der Form geratene Äste zurück zu nehmen.

Hecken und Formgehölze:

Sie können laubabwerfend wie Hainbuche und Buche sein, oder immergrün wie Buchs, Liguster Kirschlorbeer und Portugiesischer Lorbeer. Nadelgehölze wie Eibe, Thuja und Zypressen gehören auch zu dieser Gruppe.

Der Sommer ist die ideale Zeit für einen (zweiten) Heckenschnitt. Auch Formgehölze, Kugeln, Gartenbonsais etc. können in Form gebracht werden. Lücken schließen sich noch, aber der folgende Austrieb wird nicht so stark, dass ein erneuter Schnitt nötig wäre. Hier ist eine Hand- oder Akku-Heckenschere am besten geeignet.

Kletterpflanzen:

Blauregen, auch Glyzinie genannt, heißt auf Botanisch Wisteria floribunda, also reichblühend. Sie ist jedoch nicht nur reichblühend, sondern auch sehr stark wachsend. Um diese Reichblütigkeit zu erhalten, müssen die langen Triebe, die sich nach der Blüte gebildet haben, zwischen Juni und August zurückgeschnitten werden. So können sie bis zum nächsten Frühjahr neue Blütenknospen ansetzen. Zudem wird ihre außerordentliche Wuchskraft etwas im Zaum gehalten.

Wir suchen alle langen Ranken, die nicht an der Kletterhilfe befestigt sind, heraus und schneiden sie bis auf ca. 20 cm zurück. Aus 3-4 verbliebenen Augen bilden sich im Frühjahr die kurzen, blühenden Stummeltriebe.

Wollen wir die Pflanze größer werden lassen, können einzelne lange Triebe an der Kletterhilfe befestigt werden. Sie kürzen wir nur wenig ein, ihre Seitentriebe blühen dann im nächsten Jahr.

Beim Geißblatt können wir alte verholzte Triebe bis an die Basis zurückschneiden und die jungen Triebe am Rankgerüst befestigen.

Rambler Rosen:

Rambler Rosen gehören zu den Rosen mit den üppigsten Jahreszuwächsen. Gleichzeitig mögen sie keine radikalen winterlichen Schnittmaßnahmen. Die meisten blühen nur einmal, und so ist jetzt, nach der Blüte, der ideale Zeitpunkt, um sie behutsam auszulichten. Wir entfernen nur die Ranken, die überflüssig sind, sowie beschädigte oder zu schwache Triebe. Alles, was zu groß geworden ist und über die Rankhilfe hinauswächst, kann eingekürzt werden. Normalerweise bilden Rambler so dichte Geflechte, dass es unmöglich ist, einzelne Triebe an der Basis auszuschneiden, und den ganzen Ast heraus zu ziehen, dabei würde mehr beschädigt als verbessert. Wir versuchen, ältere Äste und zu wilde Partien möglichst direkt an den Hauptästen weg zu nehmen. Wenn wir neue Triebe, die steil nach oben wachsen, waagerecht anbinden können, bilden sich dort neue Blütenknospen.

Bei allen anderen Rosen, auch den Kletterrosen, genügt es, Verblühtes und unschöne, störende Triebe auszulichten.

Der Sommerschnitt ist eine wichtige Maßnahme, um Ziersträucher und Rosen blühfreudig und vital zu erhalten. Gerade in kleinen Gärten kann er dazu beitragen, dass ihre Wuchsfreudigkeit im Rahmen bleibt.

Bitte achten Sie bei allen Schnittmaßnahmen in Sträuchern darauf, dass die Vogeljungen ausgeflogen und keine belegten Nester mehr vorhanden sind! Das ist meist ab Mittsommer der Fall.



Eva.Hofmann@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück