Obstgarten im August

Der August ist in der Regel der heißeste Monat im Sommer, und fast alle Obstarten können schon geerntet werden. „August muß Hitze haben, sonst wird des Obstbaums Segen begraben“. Trotz all der hochsommerlichen Ernteaktivitäten im Garten wirft der Herbst schon seinen Schatten voraus: „ An St. Bartholomäus (24. August) geht man im Sommer in die Kirche und kommt im Herbst wieder heraus“.

In den letzten Jahren tritt die sog. Fleischbräune bei Quitten immer häufiger auf. Hierbei handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern eine physiologische Störung. Ursache hierfür ist eine unregelmäßige Wasser- und Nährstoffaufnahme in Verbindung wechselhaftem Wetter nach der Blüte. Meist werden solche Früchte auch noch zu spät geerntet, was die Problematik dann noch verstärkt. Als Gegenmaßnahmen sollte man um eine geregelte Wasser- und Nährstoffversorgung kümmern. Mehrere Spritzungen mit Kalziumpräparaten sowie eine frühzeitige Ernte können die Fleischbräune reduzieren.

Bei Tafeltrauben können jetzt noch weitere Laubarbeiten durchgeführt werden. Die Spitzen der Ruten kürzt man 30-40 cm hinter den Trauben ein. Das verhindert ein unproduktives Rutenwachstum, die Assimilate kommen dann mehr den Trauben zu Gute. Zu kurze oder zu dicht stehendeTriebe werden ganz entfernt. Bei diesem Arbeitsgang sollte man auch überschüssige Trauben entfernen. Manche Sorten bilden 2-3 Trauben pro Rute aus, das ist viel zu viel. Am Besten belässt man nur eine, in Ausnahmefällen 2 Trauben/Rute stehen. Zu viele Trauben führen zu einer minderen Qualität Zur besseren Belichtung stellt man diese dann frei, in dem man 2-3 Blätter um die Traube entfernt.


Veredeln

Anfang August ist die beste Zeit für die Veredlung der Obstgehölze. Anders als beim umveredeln im März April benötigt man dafür keine gelagerten Reiser aus dem Vorjahr sondern kann frische, diesjährige Reiser und Augen verwenden. Für den Obstfreund, der Spaß am Veredeln hat, bieten sich 2 Möglichkeiten: Einerseits kann er sich selbst geeignete Unterlagen kaufen und im Garten aufschulen. Das gleiche geht natürlich auch mit Wurzelschossern. Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit, gerade junge Bäume umzuveredeln. Dies bietet sich beispielsweise an, wenn man z. B. unregelmäßig tragende, geschmacklich unbefriedigende oder anfällige Sorten gepflanzt hat. Wer etwas ganz besonderes will, kann sich sogar einen „Duo- oder Trio-Baum“ erstellen, also einen Baum mit 2 – 3 oder sogar noch mehr verschiedenen Sorten – das ist natürlich ein echter Hingucker im Garten.


Behandlung der Reiser

Bevor man okuliert, sollte man entsprechende Reiser von den zu veredelnden Sorten schneiden. Von den diesjährigen Trieben, die gesund und gut ausgereift (Fingerprobe) sein sollen, nimmt man den mittleren Teil, etwa 20-30 cm lang. Gleich nach dem Schneiden werden die Blätter mit dem Messer entfernt. Dabei bleibt der Blattstiel stehen, er hat später noch eine wichtige Funktion: Fällt er nämlich schnell ab, ist das ein sicheres Zeichen für den Anwachserfolg. Bis zum Gebrauch kann man die Reiser kühl lagern (z. B. Kühlschrank).


Okulation

Damit man gut arbeiten kann, werden Unterlagen mit einem Lappen sauber geputzt. Das eigentliche Okulieren beginnt mit dem herausschneiden des Auges aus dem Edelreis. Um einen glatten Schnitt zu erzielen, sollte man das Okulier-Messer in einen „ziehenden“ Schnitt von der Basis bis zur Spitze der Klinge flach unter dem Auge durchführen. Sobald man unter der Knospe durch ist, zieht man das Ganze komplett vom Reis ab. Dabei hält man das Reis „verkehrt“ herum, das heißt, die Triebspitze zeigt zum Körper. Am Wurzelhals wird der klassische „T-Schnitt“ ausgeführt. Bei Bedarf werden die beiden Rindenflügel mit dem Rindenlöser am anderen Ende des Messers kurz gelöst, damit man das Edelauge besser einschieben kann. Der überstehende Teil wird bündig mit dem waagerechten Schnitt des T-Schnittes abgeschnitten.
Mit einem so genannten „Okulier-Schnell-Verschluss“ (auch OSV oder Okulette genannt) wird dann verbunden. Alternativ können auch Gummibänder (z. B. Fleicoband) eingesetzt werden, wohingegen Bast ungeeignet ist. Wenn das „schlafende Auge“ gut angewachsen ist, kann ca. 1 cm darüber im nächsten Februar abgeworfen werden (d. h. den über dem Auge stehenden Rest der Unterlage abschneiden). Im Laufe des Jahres sollte der Neuaustrieb kontrolliert und ggfs. gestäbt werden, Wildtriebe, die unter, neben oder über dem Auge austreiben, sollten konsequent entfernt (geräubert) werden.


Eine besondere Form der Okulation: die Chip-Buding-Methode

Neben der traditionellen T-Schnitt-Okulation gibt es auch die sog. Chip-Budding-Methode, die auch für den ambitionierten Hobbygärtner leicht anzuwenden ist. Der Begriff „chip-budding“ stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Holzspan-Veredlung" (chip (engl.) = Span, to bud (engl.) = veredeln, okulieren), was schon einen ersten Hinweis auf die Technik gibt. In der älteren Literatur ist sie beschrieben unter dem Namen „Frühlingsveredlung nach Forckert" oder „Augenanplatten“.
Der größte Vorteil ist, dass man unabhängig vom Lösen der Rinde „chippen“ kann .
Die Schnittführung ist denkbar einfach: zuerst wird an der Unterlage in Veredlungshöhe ein schräger Kerbschnitt durchgeführt (1. Schnitt), dann wird ca. 5 cm darüber ein Rindenstreifen mit einem dünnen Holzteil so ausgeschnitten (2. Schnitt), daß am Ende des Schnittes eine Lasche (Zunge) stehen bleibt. Mit etwas Übung fällt der sogenannte "Span" beim Zurückziehen des Messers von selbst heraus.
Beim Schneiden des Edelauges wird in ähnlicher Weise vorgegangen: zuerst der schräge Kerbschnitt ca. 2 cm unterhalb des Auges, dann wird auch hier ein Rindenstreifen mitsamt Holzteil und Knospe ausgeschnitten. Der sogenannte „Chip" soll etwas kleiner sein als der Schnitt in der Unterlage. Er wird dann in die Lasche der Unterlage geschoben und dadurch fest angepresst.
Das Verbinden eine wichtige Voraussetzung für den Anwachserfolg, entweder mit
Gummibändern (Fleicoband) oder mit PE-Follenbändern. Bei letzteren wird das Auge mit verbunden, so bildet sich unter der Folie Kondenswasser und die Veredlungsstelle trocknet nicht aus. Die Folie wird nach 2-3 Wochen mit einem einfachen Messerschnitt entfernt.

Chippen kann man bis Ende August auf das schlafende Auge (d. h. das Auge treibt erst im folgenden Frühjahr aus. Als Edelaugen benutzt man frisch geschnittene, gut ausgereifte Reiser von den gewünschten Sorten. Zubehör für die Veredlung erhalten Sie bei: Mayer, Rellingen-Baumschulbedarf, www.meyer-rellingen.de oder M. Wagner, Tel. + Fax: 08446/360.

Das Verbinden eine wichtige Voraussetzung für den Anwachserfolg, entweder mit Gummibändern (Fleicoband) oder mit PE-Follenbändern. Bei letzteren wird das Auge mit verbunden, so bildet sich unter der Folie Kondenswasser und die Veredlungsstelle trocknet nicht aus. Die Folie wird nach 2-3 Wochen mit einem einfachen Messerschnitt entfernt.

Spalierobst ist wieder in!

Hin und wieder kann man sie auch in Neubaugebieten wieder entdecken, Gärten mit Spalierobstbäumen. Gerade auf kleinstem Raum bieten sich Mauern, Häuserwände oder Zäune dafür an, ebenso Wege, die beidseitig mit Spalierobst bepflanzt werden. Neben vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten bieten Obstspaliere darüber hinaus auch die Möglichkeit einer regelmäßigen Ernte aus dem eigenen Garten. Was ist bei der Erziehung zu beachten?
Wichtig ist, dass man gerade im Sommer von allen Seiten an die Bäume herankommt, denn Sommerbehandlungen sind der wichtigste Bestandteil der Erziehung. Weiterhin von Bedeutung ist das Unterstützungsgerüst (Pfähle 2,50 m lang, im Abstand von 6-8 m, mit 5 Drähten verspannt).
Will man einen Baum als Spalier- oder „Formobst“ erziehen, so kann man jetzt im Sommer anfangen mit der Umstellung. Die Hauptarbeit ist das Pinzieren während der Vegetation. Im günstigsten Falle sollte das erste Entspitzen bei einer Trieblänge von 10 cm erfolgen, es wiederholt sich 1 – 2 mal unter Entfernung ungünstig stehender Verzweigungen. Senkrechte Wasserschosser sollten – je stärker sie sind, desto kürzer – pinziert werden und dann im Winter komplett entfernt werden. Ebenso sind Sortenansprüche zu beachten: Lang wachsende Sorten (z. B. Boskoop etc.) dürfen weder zu kurz pinziert bzw. im Winter zu stark geschnitten werden wie kurztriebige Sorten (z. B. Goldparmäne etc.). Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Sommerbehandlungen zur Beruhigung des Triebwachstums beitragen und gleichzeitig die Fruchtbarkeit erhöhen. Wer möglichst wenig Pflanzenschutz betreiben will, sollte robuste Sorten auswählen wie beispielsweise die Pillnitzer Re-Sorten (z. B. Reglindis, Remo, Resi etc.) oder die neuen Pi-Sorten (z. B. Pirouette etc.). Günstig für die Erziehung sind auf jeden Fall schwach wachsende Unterlagen.

Arbeiten im Obstgarten

  • Ab Mitte August können auch kritische Obstarten wie Walnüsse und Kiwi geschnitten werden, ohne zu bluten. Auf einen Wundverschluss kann man in dieser Zeit verzichten. Bei den Kiwis schneidet man die langen Ranken auf etwa einen halben Meter zurück. Diese Triebe fruchten dann im nächsten Jahr an der Basis. Achten Sie auf eine gleichmässige Wasserversorgung.
  • Bei Sommerhimbeeren sollten die Tragruten entfernen, damit sich die Jungruten besser entwickeln können. Bei Stachelbeeren werden mit Mehltau befallene Triebe nach der Ernte entfernt. Bei den frühen Apfelsorten kann jetzt schon ein Sommerschnitt durchgeführt werden zur Besseren Belichtung und Ausfärbung der Früchte.





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