Der Obstgarten im September

September, Haupterntezeit für Äpfel, hier wünscht man sich schönes, sonniges und trockenes Wetter, um die langgehegte ernte sicher einzubringen. Oft ist dem auch so, denn „Durch des September heitern Blick schaut noch einmal der Mai zurück“.
Doch spätestens am 23. September wird klar: jetzt ist Herbstanfang Das ist der Tag, an dem Tag- und Nacht gleich lang sind. In den kommenden 3 Monaten bis zum Winterbeginn am 22. Dezember verfärben sich auf der Nordhalbkugel die laubabwerfenden Gehölze in einem eindrucksvollen Farbenmeer aus Gelb-, Rot- und Brauntönen, der „Indian Summer“ ganz exklusiv im eigenen Garten. Herbst, das ist die wunderbare Zeit der vielen Früchte, die Zeit des Pflückens, bewahrens und der Ernte. Die Tage werden kürzer, es wird kälter, die Natur und die Menschen richten sich langsam auf den Winter ein.
Wie kommt es eigentlich zu der Farbveränderung der Blätter? Die Laubbäume verändern die Zusammensetzung ihrer Farbstoffe. Das grüne Chlorophyll, während des Sommers Ort der Photosynthese, wird abgebaut und zusammen mit anderen Nährstoffen und Kohlehydraten in die Wurzel verlagert und dort gespeichert. Dadurch kommen die roten (Anthozyane) und gelben (Carotin) Farbpigmente zum Vorschein, die dann für das Feuerwerk an Farben sorgen.

Übrigens, für die Meteorologen beginnt der Herbst aber schon am 1. September.

Wann sind die Äpfel reif?

Es ist immer wieder erstaunlich, welche antiquierten Empfehlungen man in vielerorts noch findet zur der Bestimmung des optimalen Pflückzeitpunktes. Wie vor Hundert Jahren gelten braune Kerne als Zeichen von Reife, ebenso die Löslichkeit des Stieles oder die gute Ausbildung der Deckfarbe. Doch der Gartenfreund fragt sich: Wie braun sollen denn die Kerne sein: hellbraun, mittelbraun oder dunkelbraun? Was genau bedeutet „leichte Löslichkeit des Stiels“? Wie ist „gute“ Ausbildung der Deckfarbe definiert? Um es vorweg zu sagen: solche Ratschläge gehören zum „Gärtnerlatein“, die taugen zur Bestimmung des Erntezeitpunktes nicht

Will man seine Früchte lagern, sind 2 Punkte von Bedeutung:
  • der richtige Erntezeitpunkt
  • die Lagerbedingungen

    Zu früh geerntet schmecken die Früchte grasig (nach Stärke), haben kein Aroma und welken bei der Lagerung. Zu spät geerntete Früchte werden schnell weich, mürbe und fettig (z. B. Jonagold). Wie aber bestimmt man den richtigen Erntezeitpunkt?

    Die einfachste Methode ist immer noch die sensorische Prüfung, d. h.: reinbeißen! Hierbei kann man sehr gut das Stärke-/Zuckerverhältnis überprüfen (zum erkennen von Stärke probieren Sie mal ein kleines Stück rohe Kartoffel). Ebenso die Fruchtfleischfestigkeit (Biss- und Kauverhalten) sowie das Aroma.


    Wer es ganz genau bestimmen will, der kann sich auch im Garten einer Methoden bedienen, die auch im Erwerbsobstbau Anwendung findet: dem Jod-Stärke-Test (auch Streif-Index genannt nach seiem Erfinder Dr. Josef Streif, Bavendorf). Mit Hilfe einer Lugol`schen Lösung (bekommt man in der Apotheke oder Drogerie), die auf die Schnittfläche eines quer geteilten Apfels gesprüht oder gepinselt wird, kann man den Reifegrad sehr gut bestimmen. Denn
    die Jodkalilösung färbt die vorhandene Stärke in der Frucht schwarz an, das bedeutet:
  • je dunkler die Schnittfläche, desto mehr Stärke ist vorhanden, d. h. die Frucht ist
    noch unreif
  • je heller die Schnittfläche, desto mehr Stärke wurde in Zucker umgewandelt, d. h.
    die Frucht ist reif.

    Anhand von Bildtafeln mit Stärkeabbaustufen von 1-10 kann man den Reifeverlauf des Apfels sehr gut verfolgen. Die meisten Apfelsorten sind pflückreif bei einer Stärkeabbaustufe zwischen 3 – 5.

    Übrigens: Äpfel erntet man schonend, in dem man die Frucht einzeln mit der ganzen Hand greift und dann den Stiel um 90 Grad abknickt. Vermeiden sollte man das ernten mit den Fingern (das gibt Druckstellen) oder das abreißen der Früchte, denn der Stiel sollte als Verdunstungsschutz an der frucht bleiben.


    Äpfel richtig pflücken!

    Wen man jetzt den optimalen reifegrad bestimmt hat, dann sollte man seine Früchte, das ganze Jahr gehegt und gepflegt, auch behutsam und schonend ernten. Denn imer wieder kommt es bei der Obsternte im Garten zu Fruchtbeschädigungen und Verletzungen, die dann bei der Lagerung zu Fäulnis führen können. Hierbei unterscheidet man solche, die sofort sichtbar sind, solche, die sich nach kurzer Zeit zeigen und solche, die erst gegen Ende der Auslagerung festgestellt werden. An erster Stelle steht das Abreißen (Stielbruch am Fruchtast) oder herausreißen des Stiels. Hierbei kommt es oft zu Verletzungen, die dann eine Eintrittspforte für Pilze darstellt. Oft ist auch ein beträchtlicher Kraftaufwand nötig, den man erst später an den eingedrückten Fingerspitzen am Apfel erkennt! Deshalb sollte man beim Pflücken darauf achten, dass die Früchte nicht vom Baum gerissen werden, sondern gegen die Wachstumsrichtung leicht gedreht bzw. angehoben werden. Dies sollte man nicht mit den Fingerspitzen tun (Druckstellen, Verletzung durch zu lange Fingernägel), sonder mit der ganzen Hand. Am besten ist es, wenn man in jede Hand nur 1 Frucht erntet und direkt in das Pflückgefäß ablegt. Unbedingt vermeiden sollte man das Sammeln von mehreren Früchten auf einem Arm, denn dann kullern erfahrungsgemäß immer einige auf den Boden und werden angeschlagen. Gefallene Früchte sowie Fallobst müssen separat gelagert werden. Auch beim Ablegen in die Kiste gilt: vorsichtig ablegen, nicht fallen oder kullern lassen wie Kartoffeln. Äpfel und Birnen sind da sehr empfindlich. Bedenken Sie, dass jedes „Stück Apfel“ mehrmals angefasst wird, bei der Ernte, beim umfüllen, beim sortieren etc. und deshalb sorgfältig behandelt werden will.

    Erntehilfen für die Obsternte
    Sicherheit durch richtiges Handwerkszeug

    Jetzt ist es wieder so weit, die Äpfel sind reif und leuchten am Baum und wollen geerntet werden. Doch Mutters Putzeimer und die ausziehbare Aluleiter sind dafür denkbar ungeeignet und teilweise gefährlich. Mit den richtigen Handwerkszeug geht’s besser und vor allem sicherer.
    Erntegefäße

    Der früher übliche Weidenkorb ist heute nur noch selten anzutreffen, leider. Das liegt zum einen daran, dass man heutzutage in der Regel neu entwickelte Erntegefäße zu kaufen bekommt, andererseits ist die handwerkliche Kunst des Korbmachers bei uns fast ausgestorben. Dennoch gibt es einige interessante Alternativen:

    Pflückbeutel aus PE oder Segeltuch, die mit Hilfe eines Seilzuges nach unten entleert werden können. Diese Beutel kann man gut in den Baum oder an den Gerüstdraht hängen, sie sind leicht und fassen etwa 8-10 kg.

    Gepolsterte, rechteckige Pflückkisten (10-12 kg Fassungsvermögen), die eine schonende Ernte ermöglichen und ebenfalls nach unten entleert werden.

    Pflückeimer aus Aluminium oder PE, die ergonomisch geformt sind und mit 2 Schultergurten vor dem Bauch getragen werden (8-10 kg Fassungsvermögen). Schonende Entleerung über einen PE-Schlauch nach unten.


    Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht ist der Pflückeimer am günstigsten zu bewerten, denn die Greifwege für die Arme sind immer gleich lang, das Gewicht wird ganz nah am Körper getragen. Erntet man im unteren Bereich des Baumes, ist der Pflücker gezwungen, sich mit einem Bein hinzuknien. Das schont die Wirbelsäule, weil in aufrechter Körperhaltung gearbeitet werden kann. Erfahrungsgemäß ist die Arbeit mit dem Pflückeimer zuerst einmal ungewohnt, wer sich aber dran gewöhnt hat, will diese Erntehilfe nicht mehr missen. Wem das alles zu viel an Technik ist, für den gibt es ja immer noch den guten alten Weidenkorb …


    Holz-Leitern: die Klassiker

    Für die Ernte von mittelstark-stark wachsenden Obstbäumen sind zweiholmige Holzleitern immer noch die gute Wahl, denn sie haben gegenüber Aluminiumleitern einen ganz entscheidenden Vorteil: sie sind elastisch und passen sich den Ästen und dem Gewicht des Pflückers sehr gut an. Demgegenüber neigen die starren Aluleitern mit breiten Holmen dazu, leichter in das Bauminnere durch- bzw. abzurutschen, ein beträchtlicher Risikofaktor. Weiterhin sind Aluleitern aufgrund ihrer dicken Holme unhandlich, auch die Standfestigkeit ist im Gelände nicht immer gegeben.

    Gute Obstleitern sind mit 7 cm langen Erdspitzen ausgerüstet (nach DIN 68363 Vorschrift), die Holme aus halbrunden bzw. runden Fichtenstangen, die Sprossen aus Esche hergestellt und ggfs. mit Stützstange versehen. Traditionell handwerklich gefertigte Holzleitern werden ab ca. 200 € angeboten.


    Sicherheit geht vor!

  • Der Anstellwinkel sollte ca. 70 ° betragen
  • Arbeiten mit Motorsägen oder Ähnlichem sind auf Leitern untersagt
  • Holzleitern regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüfen
  • Überwinterung von Holzleitern an einem schattigen und trockenen Ort

    In Deutschland werden die einholmigen Tiroler Steigtannen aus Holz und Aluminium von der Berufsgenossenschaft Gartenbau für die Pflege- und Ernte am Baum sogar empfohlen (Geprüfte Sicherheit GS).


    Weitere Arbeiten im September
  • Empfindliche Gehölze wie Walnüsse können jetzt noch gut geschnitten werden, ohne zu bluten. Das gleiche gilt auch für stark rankende Kiwis: hier können die Triebe bis auf einen halben Meter zurückgeschnitten werden.
  • Bei der Ernte alle Früchte, auch die faulen und sog. „Mumienfrüchte“ entfernen und entsorgen. Das gleiche gilt für das Fallobst. Vom Apfelwickler befallene Früchte am besten vor ort verjauchen, nicht auf den Kompost geben.
  • alte, abgetragene Ruten der Sommerhimbeeren direkt über dem Boden abschneiden.
  • Zum Monatsende Leimringe gegen Frostspannerraupen anlegen
  • Tafeltrauben gegen Vogelfraß schützen, z. B. durch aufhängen von alten CD`s
  • Bei allen starkwachsenden Bäumen können Wasserschosser jetzt im belaubten Zustand gut entfernt werden
  • Tipp: Beim letzten Erntegang Säge mitnehmen und zu hoch oder ungünstig stehende Äste entfernen












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