Gießen-aber richtig!

In den letzten Jahren ist durch die relativ geringen Niederschläge das Wässern immer wichtiger geworden. Viele der uns zugegangenen Proben hatten Schäden auf Grund von Wasserstress: zu geringe Wasserversorgung zeigt sich bei Gehölzen oft mit einigen Monaten Verspätung durch Nadel- oder Blattfall, fehlende Wüchsigkeit und Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. Umgekehrt erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Pilzerkrankungen, wenn die Blätter lange nass sind. Besonders bei Rasenproblemen musste häufig der Rat gegeben werden: Seltener wässern! Hinzu kommt, dass Wasser teuer ist und nicht jedes Gartengrundstück über einen Wasseranschluss verfügt. Was also tun?
Wässern ist eine der wichtigsten und anspruchsvollsten gärtnerischen Tätigkeiten! Ohne Wasser können Pflanzen nicht überleben, aber durch ein Zuviel an Wasser können sie krank werden oder gar sterben. Im Garten sollte das Ziel darin bestehen, Pflanzen so zu gießen, dass sie langfristig unabhängiger von unseren Wassergaben werden. Das können wir erreichen, indem wir Sie dazu „erziehen“, tiefe Wurzeln zu bilden. Gießen wir so, dass die Wurzeln direkt unter der Erdoberfläche bleiben, hängen sie zeitlebens „am Tropf“. Jede Pflanze hat von Natur aus ein unterschiedliches Wurzelsystem, aber alle Pflanzen sind dazu in der Lage, sich an ihre Umwelt anzupassen, und für die sorgen wir als Gärtner.

Wasserhaltevermögen der Böden verbessern:
  • Bei sandigen Böden kann durch die Erhöhung des Humusgehaltes durch organisches Material wie z.B. durch Kompost die Wasserspeicherfähigkeit deutlich erhöht werden. Auf schweren Böden lockert die gleiche Maßnahme auf, so dass das Gieß- und Regenwasser schneller einsickert.

Verdunstung verringern:
  • Bodenlockern: Besonders nach starkem Regen oder Gießen konserviert es das Wasser im Boden, in dem es verhindert , dass es durch den sogenannten "Kapillareffekt" wieder an die Bodenoberfläche gelangt und dort verdunstet. Alte Gärtnerregel:"Einmal hacken spart dreimal gießen"
  • Mulchen: Das Abdecken mit organischem Material wie Rasenschnitt aber auch Rindenmulch beschattet den Boden und verhindert das Austrocknen.
  • Besser mit einigen Tagen Abstand reichlich wässern, als täglich nur ein wenig naß machen: Dadurch dringt das Wasser tiefer ein und die Verdunstung ist geringer. Nach den Gießen sollte der Boden 15 bis 20 cm gut durchfeuchtet sein. (Probeweise nachgraben). Für Rasen gilt: Vor Welkebeginn sollte der Rasen im Abstand von 7 bis 14 Tagen am besten frühmorgens wurzeltief durchfeuchtet werden, d. h. das Wasser sollte 10 bis 15 cm in den Wurzelbereich eindringen. Daraus ergibt sich je nach Bodenart etc. eine Beregnungsmenge von 15 bis 25 l / m². Zu häufiges Beregnen mit geringen Wassergaben sollte ebenso vermieden werden wie Bewässern mit zu hohen Wassermengen, beides verursacht ein flaches Wurzelwachstum.
  • Wassersparende Bewässerungssysteme verwenden. ( einfache, preiswerte Systeme wie Zeituhr gesteuerter Perlschlauch oder aufwendigere Technik wie z. B. durch Feuchtigkeitssensoren gesteuerte Tröpfchenbewässerung.)

Blätter der Pflanzen trocken halten:
  • Nasse Blätter erhöhen die Gefahr der Pilzerkrankungen (z. B. Sternrußtau, Kraut- und Braunfäule) der Blätter vor allem bei Rosen oder Rhododendron.Nur wenige Pflanzen, meist Zimmerpflanzen, wie z. B. Farne, die eine hohe Luftfeuchtigkeit mögen, können ab und zu besprüht werden. Auch Orchideen lieben eine gelegentliche Dusche.
  • Nie über die Blätter gießen: Mit dem Schlauch oder der Gießkanne nur den Boden wässern, Rasensprenger so einstellen, dass sie nicht die Hecke mit bestreichen.
  • Morgens gießen: schnelleres Abtrocknen verringert die Pilzgefahr.
Zeitpunkt des Gießens:
Am besten sollte morgens oder abends gegossen werden, nicht in der Mittagshitze. Das Gießen am Morgen hat den Vorteil, dass die oberirdischen Teile bis zum Abend abtrocknen können und Pilzkrankheiten sowie Schnecken nicht gefördert werden. Das abendliche Gießen hat allerdings den Vorteil, dass sich die Pflanzen über Nacht mit Wasser vollsaugen und regenerieren können. Dies ist vor allem in Hitzeperioden von Vorteil. Bei durstigen Kübelpflanzen, wie z. B. Oleander oder Engelstrompete, kann es notwendig sein morgens und abends zu gießen.

Menge/Häufigkeit:
Die größte Schwierigkeit liegt wohl bei der richtigen Gießmenge und den Gießintervallen. Grundsätzlich gilt: Wenn im Garten gegossen werden muss, dann gründlich. Oft wird nicht gewässert, wenn es geregnet hat. Hierbei ist zu beachten, dass es eine lange Zeit regnen muss, bis das Wasser überhaupt durch dichte Gehölze, wie z. B. Thujen, auf den Boden gelangt. Oft reicht der Regen nicht aus, um den Boden unter Gehölzen tiefgründig zu durchfeuchten. Am besten man prüft mit dem Spaten, wie tief der Boden durchfeuchtet ist, bis man ein Gefühl für die benötigte Menge entwickelt hat. Die Pflanzen sollen ihre Wurzeln bis in tiefe Bodenschichten strecken, die nicht so schnell austrocknen. In den oberen Bodenschichten sind sie viel anfälliger für Trockenstress. Die Gießmenge ist abhängig vom Bedarf der Pflanze. In der Wachstumsphase im Frühjahr wird viel Wasser benötigt, wie auch in sommerlichen Hitzeperioden. Im Winter ist der Bedarf bei laubabwerfenden Gehölzen sehr gering. Immergrüne Gehölze verdunsten auch im Winter Wasser und müssen daher bei Bedarf in frostfreien Perioden gewässert werden.

Als Faustzahlen für die Wassermenge pro Gießdurchgang können folgende Angaben dienen (lt. LTZ Karlsruhe):
Höhe der PflanzeWassermenge
40-60 cm20 l
60-80 cm30 l
80-100 cm40 l
100-150 cm50 l
> 150 cm50-100 l


Für die Häufigkeit der Gießdurchgänge lässt sich keine generelle Faustzahl angeben. Sie hängt z.B. ab von der Bodenart (Wasserspeicherfähigkeit), schwerer Lehmboden speichert Feuchtigkeit viel länger als leichter Sandboden, und von anderen klimatischen Faktoren, Temperatur, Niederschläge, etc. Wenn man allerdings wässert, obwohl der Boden noch feucht ist, kann dies mittelfristig zu einem Verfaulen der Wurzeln führen.
Die Symptome von Trockenstress und beginnender Wurzelfäule sehen erstmal gleich aus: schlaffe, welke Blätter! Problematisch ist es, wenn man die Bodenfeuchtigkeit nicht prüfen kann, wie es z. B. bei mit Kies gemulchten Flächen der Fall ist. Bei frischgepflanzten Gehölzen sollte man auf jeden Fall den Bereich über dem Ballen offen halten und nicht mit Kies oder Rindenmulch bedecken. Bei Pflanzungen von größeren Gehölzen/Bäumen sollte ein Gießrand ausgebildet werden. Dieser bewirkt, dass das Wasser nicht seitlich wegläuft, sondern durch den Ballen versickert. Auch bei Hangpflanzungen ist es wichtig dafür zu sorgen, dass das Wasser nicht seitlich herab läuft!
Containerpflanzen sollten vor dem Pflanzen durchdringend gewässert, bzw. bei kleineren Größen komplett untergetaucht werden bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Nach dem Pflanzen wird nochmals gründlich angegossen. Das oft zitierte 'Einschlämmen' wird bei wurzelnackter Ware durchgeführt. Hierbei wird das lockere Erdreich zwischen die freien Wurzeln gespült, um einen guten Wurzelschluss zu erreichen.

Qualität:
Idealerweise gießt man mit abgestandenem Wasser, welches Umgebungstemperatur hat. Kaltes Gießwasser direkt aus der Leitung kann empfindliche Pflanzen, wie z. B. Gurken oder Tomaten im Wachstum beeinträchtigen. Ein wichtiges Kriterium ist auch der Kalkgehalt des Wassers. Kalkempfindliche Pflanzen gießt man am besten mit Regenwasser. Sollte nur kalkreiches Leitungswasser zur Verfügung stehen, kann man durch häufigeres Umtopfen in frisches Substrat oder durch sauer wirkende Dünger, wie z. B. Rhodo-Vital, den pH-Wert wieder in den optimalen Bereich bringen. Bei zu hohem Kalkgehalt werden vor allem Eisen und Magnesium im Substrat festgelegt und sind dann nicht mehr pflanzenverfügbar, es treten Mangelerscheinungen auf. Diese zeigen sich in Chlorosen, d. h. Blattaufhellungen, wobei die Blattadern grün bleiben. Auf zu hohen Kalkgehalt empfindlich reagieren Blumenhartriegel (Cornus kousa, Cornus florida), Citruspflanzen, Kiwi, Blauregen, Japanische Schneebälle (Viburnum plicatum), Rhododendren, Hortensien (Hydrangea), etc.

Gießen von Pflanzen in Töpfen:
Bei Pflanzgefäßen ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Töpfe am Boden mindestens ein Abzugsloch haben. Gefäße oder andere Behältnisse ohne Loch sind für eine Bepflanzung im Freien nicht geeignet, es sei denn, Sie möchten Sumpfpflanzen kultivieren. Eine Tonscherbe auf dem Loch verhindert, dass es sich zusetzt und die Erde herausrieselt. Bei größeren Gefäßen ab ca. 10 l Volumen sollte zusätzlich eine Drainageschicht aus Blähton, Lava oder Bims eingefüllt werden. Zwischen Drainageschicht und Erdsubstrat wird ein dünnes Vlies gelegt, um zu verhindern, dass sich das Substrat in die Dränageschicht spült. Beim Gießen muss das Substrat komplett bis zum Topfboden durchfeuchtet werden. Die Häufigkeit richtet sich nach dem Bedarf der Pflanzen. Bei den meisten Pflanzen sollte kein Wasser im Untersetzer stehen bleiben, eine Ausnahme ist z. B. der sehr durstige Oleander. Er verträgt in heißen Witterungsperioden auch Wasser im Untersetzer. Bei den meisten Pflanzen jedoch führt Staunässe schnell zu einem Faulen der Wurzeln. Nach starken Regenfällen sollten daher die Untersetzer zügig entleert werden. Wenn kein Untersetzer verwendet wird, sollte die Töpfe auf Füßchen gestellt werden. Diese bewirken einen guten Wasserabzug und verhindern im Winter ein Festfrieren. Die Frostfestigkeit vieler Gefäße ist nur gewährleistet, wenn sie auf Füßchen stehen! Wenn möglich, sollten auch Kübelpflanzen mit Regenwasser gegossen werden. Sofern nur sehr kalkhaltiges Leitungswasser zu Verfügung steht, müssen Kübelpflanzen öfter umgetopft werden.
Besonders für mehrjährige Kübelpflanzen ist es wichtig, ein gutes strukturstabiles Kübelpflanzensubstrat zu verwenden. Es sollte eine gute Wasserspeicherfähigkeit und eine gute Luftführung haben.

Wenn der Garten mit einer automatischen Tröpfchenbewässerung ausgestattet ist, muss diese regelmäßig überprüft und die Wassermengen ggf. angepasst werden. Läuft sie in Hitzeperioden lange genug, oder tropft sie überflüssiges Wasser in einen ohnehin schon nassgeregneten Boden? Idealerweise ist die Anlage mit einem Sensor ausgestattet, der die tatsächliche Feuchte im Boden misst und die richtige Wassermenge einstellt.
Informieren Sie sich über die Niederschlagsmengen mit einem Regenmesser in Ihrem Garten und/oder durch eine der zahlreichen regionalen Wetterstationen!


© DLR
Wassersparend: Tröpfchenbewässerung bei der Neuanlage des Beetes installiert
© DLR
So nicht! Pilzerkrankungen sind vorprogrammiert!




Eva.Hofmann@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück