Schmetterlingsraupen – (k)ein Problem?!

Wer liebt sie nicht- die bunten Schmetterlinge, die um die Blüten flattern. Schon etwas weniger beachtet werden die unscheinbar gefärbten Mitglieder dieser Familie wie z.B. die verschiedenen Mottenarten. Doch ohne Raupe kein Schmetterling und damit beginnt der Ärger. Auch wenn manche Raupen farbenfroh sind, so werden sie ungern gesehen, denn ihre einzige Tätigkeit ist fressen! Damit treten manche Raupen als „Nahrungskonkurent“ des Menschen auf, wenn z.B. die Raupe des Apfel- bzw. Pflaumenwicklers im Apfel/ in der Pflaume frisst oder die Kohlweißlingsraupe sich über die jungen Kohlpflanzen hermacht. Doch auch reine Ziergärten werden oft stark heimgesucht, insbesondere wenn die passende Wirtspflanze dominiert. So war das erstmalige Auftreten des Buchsbaumzünslers vor allem für die Gartenbesitzer eine Katastrophe, deren ganzer Garten mit Buchseinfassungen und Buchskugeln bepflanzt war. Die Thujaminiermotte schädigt lediglich die Triebspitzen. Das kann an einer akkurat geschnittenen Hecke trotzdem unschön wirken. In manchen Jahren treten auch Gespinstmotten auf. So findet man dann z.B. im Cotoneaster die Raupen der Weißdorngespinstmotte. Auch ganze Bäume können Raupen zum Opfer fallen, wenn z.B. Blausieb oder Weidenbohrer im Stamm fressen. Sehr unangenehm kann es werden, wenn sich Raupen ansiedeln, die Brennhaare haben. Zu diesen Arten, zählen Prozessionsspinner- sowie einige Trägspinnerarten, wie z.B. der Schwammspinner und der Goldafter. Bei empfindlichen und zu Allergien neigenden Menschen können diese Brennhaare Reizungen der Haut und Schleimhäute, Hustenreiz und asthmatische Anfälle verursachen. Was also tun?
Grundsätzlich ist zu sagen, dass die meisten Menschen die Raupen erst bemerken, wenn es für eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln zu spät ist: Die Schäden sind bereits entstanden und die Raupe ist so groß, dass die Mittel nicht mehr wirken bzw. sie frisst so versteckt (z.B. im Apfel), dass sie von ihnen nicht erreicht wird. Hier bleiben vor allem die mechanischen Methoden wie absammeln oder absaugen. Lediglich bei den Raupen mit Brennhaaren ist dabei besondere Vorsicht (Schutzkleidung) geboten.
Eine erfolgreiche Strategie muss selektiv und vorbeugend bzw. rechtzeitig erfolgen. Selektiv deshalb, weil es eine Reihe Schmetterlingsraupen gibt, die absolut nicht stören. Sie sind ausschließlich auf Futterpflanzen angewiesen, die gemeinhin als „Unkraut“ gelten. So ist z.B. die Brennnessel Kinderstube für den kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge, das Landkärtchen oder den Admiral. Hat man eine Ecke mit Wildkräutern, dürfen sich hier Raupen – die zukünftigen Schmetterlinge - ungestört entwickeln. Denn wem schadet es, wenn die Brennnessel völlig kahl gefressen wird? Auch ein paar zerfressene Blätter an Sträuchern oder Bäumen sind keine Katastrophe und können – je nach ästhetischemEmpfinden - mehr oder weniger toleriert werden. Die Gehölze könnten sogar einen Kahlfraß überstehen und treiben dann im Juni neu aus. Will man sich gegen übermäßigen Fraß schützen, gibt es zu mindestens für einige Raupenarten vorbeugende Methoden. Gegen den Frostspanner kann man z.B. ab Oktober Leimringe anbringen. Das Gemüse schützt man wirkungsvoll mit Kulturschutznetze gegen Gemüseeule und Kohlweißling. Schneidet man von der Thujaminiermotte befallene Hecken konsequent im Frühjahr noch vor dem Schlupf der Motte (Mitte Mai) und beseitigt das Schnittgut, so bekommt man auch sie in den Griff. Zeigen sich gespinstbildende Raupen, ist meist die Gartenschere am wirkungsvollsten: Zweige mit Raupennestern herausschneiden und entsorgen. Wer in den letzten Jahren massives Auftreten einzelner Raupen hatte, kann auch zugelassenen Insektizide einsetzen (s. Ausgabe 1-3/2016). Wichtig ist jedoch ein Einsatz gegen sehr frühe Stadien, also ganz kleine Räupchen. Dies setzt eine gute Beobachtung voraus. Meist kann man jedoch darauf verzichten, denn Raupen sind auch Futter für Nützlinge, die sich entsprechend vermehren und die Raupen in Schach halten.
Fazit:
  • Nicht jede Raupe richtet Schaden an Zierpflanzen, Gemüse oder Obststräuchern/-bäumen an! Eine Bekämpfung an Wildstauden lebenden Raupen ist nicht nötig!
  • Vorbeugende mechanische Methoden (z.B. Leimring, Kulturschutznetz, bei minierenden Arten: rechtzeitiger Schnitt bzw. Falllaubbeseitigung) sind in vielen Fällen die effektivsten Methoden und sollten vor anderen Maßnahmen genutzt werden.
  • Große Raupen können abgesammelt oder abgesaugt werden. Dadurch werden sofort weitere Fraßschäden verhindert. Pflanzenschutzmittel wirken bei ihnen ohnehin nicht mehr ausreichend.
  • Legen Sie ihre persönliche Schadschwelle fest, ab der eine Bekämpfung notwendig ist. Dann handeln Sie aber rechtzeitig und setzen Sie umweltverträgliche Mittel möglichst direkt nach Raupenschlupf ein.
Bedenken Sie immer: Ohne Raupe kein Schmetterling und jede Raupe ist auch Beutetier eines Nützlings. Ziel kann es daher nie sein, einen absolut raupenfreien Garten zu haben, sondern einen lebendigen Garten, in dem sich die Schäden durch Raupen in akzeptablen Grenzen halten.
Wenn Sie wissen möchten, welchen Schmetterling oder welche Raupe sie im Garten haben:
http://www.schmetterling-raupe.de/
http://www.insektenbox.de/





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