Flieder (Syringa)- ein Strauch für große und kleine Gärten

Wer in den letzten Wochen in der Nähe eines Fliederstrauches vorbei ging, hat ihn sofort an seinem betörenden Duft bemerkt. Im Mai ist die Hauptblütezeit für den Flieder, doch manche Arten und Sorten blühen bereits im April, andere auch noch im Juni. Schade, dass er in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen ist. Dabei ist der Flieder (Syringa) mit fast 30 Arten und unzählige Sorten sehr variantenreich, zudem relativ anspruchslos, robust und pflegeleicht. Kaum ein Strauch kommt in so vielen Kindheitserinnerungen vor wie der Flieder. Seine duftenden Blütenrispen sind das untrügliche Zeichen dafür, dass der Frühling nun endgültig angekommen ist. Zu seit Jahrhunderten bekannten Klassikern unter den Ziersträuchern hat es nur eine Art der über dreißig Arten umfassenden Gattung Syringa geschafft. Es ist Syringa vulgaris, der gewöhnliche oder „gemeine“ Flieder, auch Edelflieder genannt – so viel zur Eindeutigkeit der deutschen Namen! Seine wilden Vorfahren stammen aus Südosteuropa, in Bulgarien kommt er beispielsweise wild als Unterwuchs in Eichenwäldern und an trockenen, warmen Hängen aus Kalkstein vor. Von dort gelangten im 15. Jahrhundert erste Exemplare in türkische Gärten. In den nächsten hundert Jahren verbreiteten sich einzelne Pflanzen, weitergegeben von Mönchen und Botanikern, über Italien und Wien auch in andere Orte Mittel-und Westeuropas. Dort trägt er schon die lateinische Bezeichnung Syringa oder auch noch den türkischen Namen „Lilac“. In den folgenden Jahrhunderten breitete sich der Flieder über botanische und fürstliche Gärten immer weiter aus, bis er im Lauf des 18. Jahrhunderts Einzug in die Gärten der Bauern und Bürger hielt. Anfangs noch als „blauer türkischer Holunder“ bezeichnet, wurde schon bald daraus der Syringa vulgaris, der gewöhnliche oder gemeine Flieder, der in fast allen Bauerngärten und verwildert entlang von Wegen und in Kirchhöfen anzutreffen ist. Im 19. Jahrhundert begann die Zeit der züchterischen Bearbeitung des Flieders. Bis dahin gab es neben den ursprünglichen blass-violett noch weiße und rotviolette Formen. So entstand z.B. 1883 in der Baumschule Späth in Berlin die Sorte ‘Andenken an Ludwig Späth’ mit dunkelvioletten und ungefüllten Blüten. Sie ist heute noch als eine der beliebtesten Sorten im Handel erhältlich. In Frankreich brachte die Baumschule von Victor Lemoine et fils aus Nancy zwischen 1870 und 1955 sogar 214 Sorten hervor. Daran erinnert uns heute im Baumschulsortiment die immer noch beste weiße Sorte, ‘Madame Lemoine’, mit gefüllten, in der Knospe cremegelben Blüten. Ebenso von Victor Lemoine bereits 1896 gezüchtet und heute noch häufig anzutreffen, ist die Sorte ‘Charles Joly’, die stark duftende, purpurrote und gefüllte Blüten zeigt. Auch schon 1885 von Lemoine gezüchtet wurde Syringa vulgaris ‘Michel Buchner’, eine zartviolett gefüllte Sorte. Eine Besonderheit ist die Sorte ‚Primrose’, mit einfachen Blüten, die einzige bisher gelbe Sorte, in einem hellen, cremigen Farbton, der im Verblühen immer heller wird. Sie entstand 1949 in Holland, in der Firma Maarse. Dort entstand auch 1938 die erste zweifarbige Sorte ‚Sensation’, die ungefüllten Blüten sind kräftig violett mit weißem Rand. Auch in den USA und in Russland gab es bedeutende Fliederzüchter. So entstanden bis 1992 weltweit über 1000 Sorten von Syringa vulgaris, mit einfachen oder gefüllten Blüten, in allen möglichen Schattierungen von violett und weiß oder cremegelb, von denen natürlich viele nicht erhalten blieben.

Standort und Pflege:

Seiner natürlichen Heimat entsprechend ist Syringa vulgaris überaus trockenheits- und windverträglich. So wird er gerne in gemischten Sicht- und Windschutzhecken verwendet. Am Liebsten steht er auf einem sonnigen bis halbschattigen Standort. An einem schattigem Standort wächst er zwar und bildet Blattmasse, aber er blüht nicht. Zudem sollte der Boden durchlässig sein, da er Staunässe nicht verträgt.Wenn er einzeln steht und gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird, kommt er viel schöner zur Geltung und dankt es mit üppiger Blütenfülle und kräftigem Wuchs. Bei der Pflanzung sollte ein möglichst großes Pflanzloch mit frischer Erde oder gut verrottetem Kompost angereichert werden. In späteren Jahren reicht eine einmalige Kompostgabe, im zeitigen Frühjahr auf dem Wurzelbereich verteilt. Syringa bildet ein kräftiges, tiefreichendes Wurzelwerk und viele Feinwurzeln an der Oberfläche. Er bevorzugt leicht feuchten (frischen) bis mäßig trockenen Boden, aber Staunässe und verdichtete Böden behagen ihm gar nicht. Frosthärte ist bei Flieder kein Problem, was seine Verbreitung bis Russland beweist. Starke Schnittmaßnahmen sollten eine Ausnahme bleiben, da Syringa nur an den im Vorjahr gebildeten Trieben blüht. Sollte eine „Verjüngungskur“ notwendig sein, vertragen sie auch einen kräftigen Schnitt und werden danach umso schöner. Nach einem Rückschnitt, der im Winter erfolgen sollte, setzt er daher ein Jahr mit der Blüte aus. Nach der Blüte kann man lediglich die verblühten Rispen abschneiden, so wird die Bildung von neuen Blütenknospen statt Samen gefördert. Gut eingewachsene Flieder benötigen im Allgemeinen keine Bewässerung mehr. Frisch gepflanzte Sträucher sollten Sie in den ersten Jahren mit gezielten Wassergaben unterstützen. Zeigen ältere Pflanzen in Hitzeperioden ihren Durst durch schlaff hängende Blätter an, sollten sie in regelmäßigen Abständen kräftig gegossen werden. (Achtung: auch bei durch Staunässe faulenden Wurzeln hängen die Blätter! Immer die Bodenfeuchte überprüfen!)

Tipp: Möchte man die Blütenrispen in Sträußen ins Haus holen, klopft man die Enden der Zweige mit einem Hammer platt. Das verbessert die Haltbarkeit der ansonsten schnell welkenden Sträuße enorm!

Andere Flieder Arten:

Der gewöhnliche Flieder hat sich über ganz Europa und Russland verbreitet und zählt zu den bekanntesten Gartengehölzen. Natürlich ist in einem kleinen Reihenhausgarten kein Platz für einen großen Fliederbusch, doch kann eine starkwüchsige Syringa vulgaris-Sorte einen kleinen, 4-7 m hohen „Hausbaum“ bilden, wenn man ihn auf Stamm zieht. Es gibt aber noch andere Arten von Syringa, die weniger bekannt, doch nicht weniger hübsch und gartenwürdig sind. Diese kleinwüchsigne Arten bieten sich bei beschränktem Platz für eine Blütenhecke oder als Solitär an.

Der Zwergflieder, Syringa meyerii stammt aus dem nördlichen China, wo er an häufig trockenen, sonnig bis halbschattigen Berghängen vorkommt. Er wurde erst 1912 zu ersten Mal in Europa beschrieben. Seine Blütezeit reicht von Mai bis Juni und wird durch eine zweite Blüte in August und September ergänzt, weshalb er manchmal fälschlicherweise als „Herbstflieder“ bezeichnet wird. Die dunkelvioletten Knospen öffnen sich zu einem zarten Rosaweiß und duften wunderbar. Seine ausgesprochene Hitzeverträglichkeit und der zierliche Wuchs machen ihn zu einem beliebten Strauch für Gärten und vor allem für dauerhafte Kübelpflanzungen auf sonnigen Terrassen. Die Sorten ’Josee’ und ’Palibin’ sind bisher im Sortiment der Baumschulen am häufigsten vertreten, sie wachsen beide mit 1-1,5m Höhe besonders kompakt. Weitere Sorten sind ’Red Pixie’, in einem dunkleren rosa und ’Pink Perfume’, in zartrosa, die beide sehr gut duften. Die Zwergflieder werden bisher zu wenig beachtet und sollten in Hinblick auf trocken-heiße Sommer und kleine Hausgärten viel häufiger gepflanzt werden!

Syringa x persica ist eine sehr alte Gartenhybride, hervorgegangen in Persien aus den Wildarten S. afghanica und S. laciniata. Wie der gewöhnliche Flieder wurde er in Gärten in der Türkei kultiviert, von wo aus er im frühen 17. Jahrhundert über Italien nach West- und Mitteleuropa verbreitet wurde. Der Persische Flieder bleibt mit ca. 2-3 m Wuchshöhe etwas kleiner als der gewöhnlichen Flieder und wirkt durch seine feinen, leicht hängenden Zweige besonders elegant. Die stark duftenden Blütenrispen sind lang und schmal und von einem schönen Zartviolett. Es gibt noch eine weiß blühende Sorte, S. Persica ’Alba’ und eine Sorte mit fein geschlitzten Blättern, S. persica ’Laciniata’, nicht zu verwechseln mit der Wildart! (Auch botanische Namen sind manchmal verwirrend!)

Alle Fliederarten lassen sich im Garten zu traumhaften Kombinationen verwenden. In gemischten Blütengehölzpflanzungen blühen sie zusammen mit den
· Pfeifensträuchern (Philadelphus), die selbst weiße, duftende Wolken bilden und
einigen Schneeball-(Viburnum) Arten, wie z.B.
· V. carcephalum (Großblumiger Duftschneeball) und den heimischen Arten
· V. lantana (Wolliger Schneeball) und
· V. opulus, den es mit flachen Blütendolden und später roten Beeren gibt, und mit gefüllten, sterilen Blütenbällen,
· V. opulus ‚Roseum‘, beide erinnern an frühe Hortensien
Sie verbinden die Blütezeit der weißen Frühlingsspieren (Spiraea arguta, Spiraea thunbergii, Spiraea cinerea) mit der Blüte von Weigelien und danach den Sternchensträuchern (Deutzia) und Rosen.

Da Flieder viele feine Wurzeln direkt unter der Oberfläche bildet, schaffen es nur wenige unerschrockene Stauden, in seinem Wurzelbereich zu gedeihen. Einen Versuch sollte man mit den Storchschnäbeln Geranium nodosum (rosa Blüte, glänzende Blätter) und verschiedenen Geranium oxonianum Sorten (rosa-weiß Töne) wagen, die beide Trockenheit und Wurzeldruck gut verkraften. Ebenfalls robust und dekorativ ist der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) der mit langen Trieben und leuchtend blauen Blüten einen dichten Teppich unter Sträuchern bilden kann. Hübsch passen dazu auch die hellblauen Vergißmeinnicht-Blüten von Brunnera macrophylla mit großen herzförmigen Blättern. Dann noch ein paar selbst versamende Akeleien eingestreut, und die Frühlingskombination ist perfekt!

Übersicht über einige der bekannteren Arten:
NameHöhe in mBlütezeitBemerkung
Chinesische Flieder (Syringa x chinensis)
3-4
MaiSommerliche Trockenheit gut vertragend, empfindlich gegen Staunässe
Hyazinthenflieder (Syringa hyacinthiflora)
2-5
April - Mai
Ungarischer Flieder (Syringa josikaea)
bis 4
Mai/JuniGedeiht auch auf trockenen Standorten, wärmeliebend
Zwerg-Duftflieder (Syringa meyeri)
1 bis 1,2
JuniTrockenheitsresistent, auch für Kübel geeignet
Syringa microphylla
1-1,5
Samtflieder ‘Miss Kim‘ (Syringa paluta)
2
Mai -JuniSehr gut geeignet für kleinste Flächen, gemischte Beete, Pflanzkübel
Persischer Flieder
(Syringa persica)
1,5 – 2
Mai/JuniFür kleinere Gärten und Kübel. Bei anhaltender Trockenheit wässern!
Kanadischer Flieder
(Syringa x prestoniae)
3-4
JuniFür kleinere Gärten und Kübel. Besonders frosthart, Blüte Ende.
Bogen-Flieder
(Syringa reflexa)
3-4
Junikalkmeidend
Perlen-Flieder
(Syringa X swegiflexa)
3-4
Juni
Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris)
4-6 (7) je nach Sorte
Mai / JuniAusläufer treibend, hitzeverträglich
Wer etwas für Insekten tun will, sollte allerdings nur ungefüllte Sorten pflanzen. Sie sind für Hummeln und verschiedene Schmetterlingsarten wie zum Beispiel den Admiral eine beliebte Pollen- und Nektarquelle.

Tipp: Wer den Flieder als kleines Bäumchen erziehen möchte, schneidet möglichst schon bei den jungen Pflanzen alle Nebenäste und störende Seitentrieb ab.



Eva.Hofmann@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück