Zunehmend Probleme mit Schneeschimmel im Rasen durch milde Winter

Die Rasengräser können von einer Vielzahl von Pilzerkrankungen befallen werden, welche die Halme zum Absterben bringen und dadurch unschöne braune Flecken im Rasen verursachen. Im Winterhalbjahr ist dies vor allem der sogenannte Schneeschimmel (Microdochium nivale), eine Nassfäuleerkrankung der Gräser. Der Name ist irreführend, da Schnee für sein Auftreten nicht notwendig ist. Feuchte (Tau, Nebel, Regen) und Temperaturen zwischen 0° und 20°C sind für seine Entwicklung notwendig. Das Temperaturoptimum für sein Gedeihen liegt bei 3°C – und diese Bedingungen haben wir in den milderen Winter der letzten Jahre fast durchgehend! Frostperioden im Winter und ein rascher Temperaturanstieg im Frühjahr würden ihn stoppen – leider ist damit nicht zu rechnen! So ist unter den herrschenden Bedingungen durch eine Blatt-zu-Blatt-Infektion eine epidemische Ausbreitung möglich, wobei die Infektion der gesunden Blätter oft bereits Wochen vor dem Ausbruch erfolgt sein kann. Typisch: Die zunächst kleinen, runden, braunen Flecken werden schnell bis zu 25 – 30 cm groß. Bei aktivem Pilz ist ganz außen, insbesondere morgens, ein weißes Mycel zu sehen. Die gute Nachricht: Die Krankheit zerstört nur die Grashalme, nicht den Vegetationspunkt, aus dem heraus sich die Pflanze wieder regenerieren kann. Dies wird sichtbar durch den sogenannten Froschaugeneffekt, die Entwicklung eines grünen Aufwuchses in der Mitte des braunen Fleckes. Im Frühjahr helfen Wärme, Stickstoff und Wachstum die Krankheit zu besiegen.
Schneeschimmel ist ein „Allerwelts-Pilz“ der nicht zu „eliminieren“ ist. Unter geeigneten Bedingungen erfolgt immer wieder eine Neuansteckung. Er überdauert im Rasenfilz (abgestorbene Halme), als Myzel oder in seiner Dauerform als Konidie. Auch durch Sporen kann eine Neuinfektion erfolgen. Als förderlich gelten: Staunässe und Rasenfilz, Laub- oder Schneebedeckung, fehlende Luftbewegung, wechselnde Temperaturen um 0°C und dadurch keine Winterruhe. Ebenso begünstigen zu intensive Pflegemaßnahmen mit Beschädigungen der Blätter im Spätherbst, zu hohe Stickstoff- bzw. zu geringe Kaligaben im Spätherbst; weshalb die Blätter zu weich und unausgereift in den Winter gehen. Für den Hausgarten gibt es kein zugelassenes Fungizid, das für die Bekämpfung eingesetzt werden kann.
Was ist also zu tun, wenn der Rasen Schneeschimmel hat? Hier muss die natürliche Regeneration unterstützt werden, damit sich die braunen Stellen zurückbilden. Deshalb wird nach dem ersten Abtrocknen im zeitigen Frühjahr möglichst viel des abgestorbenen Pflanzenmaterials entfernt. Dies kann durch herausrechen oder ganz flaches vertikutieren geschehen. Anschließend wird mit einem stickstoffhaltigen Dünger („Frühjahrsrasendünger“) gedüngt. Bei Temperaturen ab 10°C regt Stickstoff die Zellteilungen im Vegetationspunkt an, was die Bildung neuer Blätter einleitet. Die Pflanzen können sich so vollständig wieder regenerieren! Im Spätjahr sollte dann eine Herbstdüngung mit viel Kalium (K) und wenigStickstoff (N) erfolgen. Kalium verbessert die Zellwandbildung, so dass die Zellen stresstoleranter, robuster und weniger anfällig für Krankheiten werden – auch im Sommer! Eine Spätherbstdüngung (November) mit Kali und wenig Stickstoff (zu viel regt zum Wachstum an, obwohl diese Halme nicht mehr ausreifen können!), hilft die Rasengräser im Winter gesund zu erhalten.
Wir müssen uns sicherlich von dem Ideal des ganzjährig einheitlich grünen Rasens verabschieden. Unter den gegebenen Witterungsverhältnissen werden immer wieder Pilzerkrankungen wie der Schneeschimmel auftreten. Durch Senkung der eigenen Ansprüche und Geduld ist es nicht nötig, den befallenen Rasen zu entfernen. Durch entsprechende Pflegemaßnahmen ist er durchaus wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen.


eva.morgenstern@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück